Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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14. Woche (4. Monat, Fetalperiode) = Tag 92 – 98, Scheitel-Steiß Länge des Feten: um 120 mm, Fußlänge: 20 mm, Gewicht ca. 110 g
4. Monat: ab Tag 92
Die Haarknospen der Basalzellschicht der Außenhaut (Epidermis) haben sich tiefer in die darunter gelegene junge Lederhaut (Corium) vorgeschoben, zu Haarzwiebeln vergrößert und führen zu einer Mesenchymverdichtung unterhalb ihres tiefsten Punktes, der als Haarkegel bezeichnet wird.
Der im Darm des Embryos gebildete Stuhl, der aus ausgeschiedenen Substanzen und abgestoßenen Epithelzellen besteht, wird als Mekonium bezeichnet und erhält allmählich eine dunkelgrüne Farbe, die auf den Abbau von Gallenfarbstoffen zurückzuführen ist. Folglich besitzen die Leberzellen (Hepatozyten) von nun an die nötige Reife zum Abbau von Hämoglobin und damit zur Bildung des Gallenfarbstoffs Bilirubin.
Bei männlichen Feten hat sich um den unteren (distalen) Wolffschen Gang herum Mesenchymgewebe zu glatter Muskulatur entwickelt, wodurch der Gang zum Samenleiter (Ductus deferens) wird. Kurz vor den Einmündungen der Wolffschen Gänge in den Vorsteherdrüsenabschnitt der Harnsamenröhre, die Pars prostatica urethrae, hat deren Epithel beiderseits eine Knospe nach hinten (dorsal) ausgebildet, die schon bald ein Lumen aufweist. Hierbei handelt es sich um die Anlage der Schwellkörperdrüsen (Glandulae bulbourethrales = Cowpersche Drüsen), deren glatte Muskulatur und Bindegewebe aus dem umliegenden Mesenchym hervorgeht. Der Abschnitt des Wolffschen Ganges vom Abgang der Knospen bis zur Mündung in die Harnsamenröhre (Urethra) wird als Ausspritzgang (Ductus ejaculatorius) bezeichnet. Bei weiblichen Feten entwickeln sich die den Cowperschen Drüsen des Mannes homologen Vorhofdrüsen der Scheide (Glandulae vestibulares majores) aus epithelialen Knospen des distalen Sinus urogenitalis.
Die gesamte Penisspitze (Glans penis, Eichel) ist von der Vorhaut überdeckt, die nur unten im Bereich des Frenulum glandis penis mit der Eichel verwachsen ist. Der Hodensack (Scrotum) ist größer geworden und die Verschmelzung in der Mittellinie weiter nach vorn erfolgt.
Die aus der Neuralleiste stammenden Schwann’schen Zellen der peripheren Nerven beginnen mit der Ausbildung ihrer typischen Wickelungen um die künftigen schnell leitenden markhaltigen Nervenfasern. Diesen langsamen Wachstumsprozeß bezeichnet man als Markscheidenbildung oder Myelinisierung; er dauert bis ins 2. Lebensjahr hinein an. Im Zentralnervensystem beginnt die Myelinscheidenbildung durch die Oligodendrogliazellen erst etwa zum Zeitpunkt der Geburt.
Die Zahnleisten degenerieren bis auf die Abschnitte der Schmelzknospe für die Milchzähne (Dentes decidui) und die Knospen der bleibenden Zähne (Dentes permanentes). Die Schmelzglocken der Milchzähne haben sich weiter vergrößert und die Odontoblasten der aus dem Mesenchym abstammenden Zahnpapille beginnen allmählich mit der Bildung von Prädentin, welches sie in Richtung des gegenüberliegenden inneren Schmelzepithels ablagern. Basal um das äußere Schmelzepithel herum bildet sich aus dem angrenzenden Mesenchymgewebe das Zahnsäckchen. Die Anlagen der bleibenden Zähne werden zunehmend tiefer verlagert und sind noch unreif.


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